Fürstenfeldbrucker Tagblatt 24.01.2007
Musikalischer Kommentar für einen Stummfilmklassiker
Projekt "EisTon" begleitet "Die weiße Hölle vom Piz Palü"
von Ruth Gemeinhardt

Wer heuer noch zu wenig Eis und Schnee gesehen hat, hatte im Kulturzentrum PUC ausgiebig Gelegenheit. Zu Gast waren das Hamburger Filmmusikduo Christian Meyer und Hans Christoph Hartmann... mehr >>>>

Bille Wochenblatt 3.12.2005
Die weiße Hölle

mr. BERGEDORF - Der deutsche Stummfilmklassiker "Die weiße Hölle vom Piz Palü" von 1929 in der Regie von Arnold Fanck mit Gustav Diessl und Leni Riefenstahl in den Hauptrollen wird live vertont von der Gruppe "Eiston" mit Christian Meyer am Klavier und Perkussion und Hans-Christoph Hartmann an den Saxophonen und ebenfalls Perkussion... mehr >>>

Weser-kurier 02.11.2005
Die Musik kommentiert tiefe menschliche Abgründe

BREMEN. Wenn es ein Lieblingsmotiv des deutschen Filmexpressionisnus gibt, dann wohl das der Untiefe. Ein Meisterwerk, das die Faszination menschlicher Abgründe mit den damals nicht minder populären Bildern alpiner Steilhänge verbindet, ist Arnold Fancks Hochgebirgsabenteuer "Die weiße Hölle vom Piz Palü"... mehr >>>

die Tageszeitung / Bremen 03.11.2005
Bei "Sound Art Cinema" wird die Rolle der Töne im Kino untersucht

... Die Auswahl des Bergdramas "Die weiße Hölle von Piz Palü" mit Leni Riefenstahl ist dabei eher zufällig: Hans-Christop Hartmann an den Saxophonen und Christian Meyer am Piano haben gerade eine neue Musik für diesen Film arrangiert, deren Premiere am Freitagabend im Kino 46 stattfinden wird... mehr >>>



Weser-kurier 02.11.2005
Die Musik kommentiert tiefe menschliche Abgründe

Das Hamburger Duo Eiston begleitet am Freitag im Kino 46 den Stummfilmklassiker "Die weiße Hölle vom Piz Palü". Von unserem Mitarbeiter Andre Hessel

BREMEN. Wenn es ein Lieblingsmotiv des deutschen Filmexpressionisnus gibt, dann wohl das der Untiefe. Ein Meisterwerk, das die Faszination menschlicher Abgründe mit den damals nicht minder populären Bildern alpiner Steilhänge verbindet, ist Arnold Fancks Hochgebirgsabenteuer "Die weiße Hölle vom Piz Palü". In einer restaurierten Fassung ist der 1929/35 gedrehte Stummfilm im Kino 46 im Rahmen der Soundart Cinema-Reihe zu sehen - und zu hören, live begleitet vom Hamburger Filmmusikduo "Eiston".

Hans-Christoph Hartmann (Saxofone und Perkussion), der das Projekt mit Partner Christian Meyer (Piano, Keyboards, Perkussion) erarbeitet hat, ist an der Weser kein Unbekannter. Mit den Ensembles "Trio Holstenwall" und "Klangsplitter" hat der Ex-Bremer hier seit 10 Jahren Klassiker des deutschen Stummfilms ausgeleuchtet. Nach Robert Wienes Psychothriller "Das Cabinett des Dr. Caligari" folgten unter anderem "Der müde Tod" von Fritz Lang, Murnaus Vampirklassiker "Nosferatu" und Robert Flahertys "Nanuk, der Eskimo".

Diese, 1920 gedrehte Pionierarbeite des Dokumentarfilms war vor zwei Jahren die erste Arbeit von "Eiston". "Die Musik zu Piz Palü ist quasi eine Fortentwicklung daraus", erklärt Hartmann, "denn gewissermaßen haben wir uns vorerst dem Thema Eis verschrieben". In dem 133minütigen Bergdrama trifft ein junges Paar in den Dolomiten auf einen mysteriösen Bergführer, der seine Frau verloren hat. Als die Gruppe während der Klettertour in der damals noch unbezwungenen Nordwand des 3905 Meter hohen Piz Palü in schlechtes Wetter gerät, beginnt eine dramatische Rettungsaktion. Hauptdarstellerin dieses Films ist die 2003 verstorbene Leni Riefenstahl, die später mit NS- Propagandafilmen ("Triumph des Willens") zweifelhafte Berühmtheit erlangte, deren Bergfilme jedoch wie etwa "Das Blaue Licht" Meilensteine der Filmkunst wurden. Der Name Riefenstahl habe bei der Auswahl des Films denn auch zu Diskussionen geführt: "Wir haben viele Gespräche mit Cineasten, Kinobetreibern und Festivalleitern geführt, die uns jedoch zu diesem Projekt ermutigt haben", sagt Hartmann. "Gereizt haben uns die atemberaubenden Aufnahmen und der dramatische Plot, in dem auch Aspekte zuvor vertonter Beziehungsdramen auftauchen."

Mit herkömmlicher Filmmusik, deren Hauptanliegen das Verstärken visueller Effekte ist oder gar klassischer Geräuschemacherei lässt sich die Arbeit der Hamburger nicht vergleichen. Ziel ihrer Klangreisen, deren Wurzeln im Jazz und der freien Improvisation liegen, ist die Verbindung klassischer Bildvertonung mit einer eigenständigen musikalischen Erforschung des Filmmaterials anhand von Leitmotiven. "Wir versuchen, über das einfache Begleiten hinaus zu gehen, nicht nur Atmosphären herzustellen und Bewegungen zu illustrieren, sondern die Dinge zu kommentieren, Emotionen darzustellen und inhaltliche Ausrufezeichen zu setzen", so Hartmann, "die ruhigen Bilder und langen Einstellungen dieses Films geben uns dafür viel Raum." Dass die Haltung der Musiker dabei ständig zwischen Begleitung und Deutung, zwischen Komposition und Improvisation wechselt, ist eine Gratwanderung, die den besonderen Reiz dieser Konzeption ausmacht.

Premiere ist am Freitag dem 4.November, um 20 Uhr im Kino 46 in Bremen

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die Tageszeitung / Bremen 03.11.2005
Bei "Sound Art Cinema" wird die Rolle der Töne im Kino untersucht

kuckensema

Die Oper mag zwar eine "sterbende bürgerliche Kunstform" sein, wie Aki Kaurismäki in einem seiner Filme verkünden lässt, aber inzwischen ist sie ja längst im Kino aufgehoben. Wagner würde heutzutage nicht nur Filmmusiken komponieren, er tutdies postum ja auch in den Werken seiner zahlreichen Epigonen in Höllywood. Und die Filme werden immer mehr zur Bilderopern. Georg Seeßlen hat vor einiger Zeit beim kommerziellen Kino eine "Angst des Filmemachers vor der Stille" diagnostiziert, denn inzwischen wird in Hollywood bei fast jeder Einstellung die emotionale Wirkung entweder durch Musik oder durch ein ausgetüfteltes Sounddesign verstärkt.

Wie da Klang und Bild zusammenfinden, wie Filmemacher und Musiker auch in Experimenten an diesen Schnittflächen zwischen den Künsten arbeiten, zeigt das Kino 46 jetzt in einer Filmwoche, die die Entwicklung vom Stummfilm bis zum Music Clip nachzeichnet. Natürlich darf dabei auch Wagner nicht fehlen, denn global populär wurde dieser nicht etwa durch Bayreuth, sondern durch "Apocalypse Now". Der restaurierte Director's Cut von Coppolas Vietnam - Phantasmagorie wird in der Originalfassung gezeigt.

Auf den ersten Blick scheint es paradox, wenn in einem Programm über die Töne im Kino ein Stummfilm gezeigt wird, aber bei der live gespielten Begleitmusik wird die Verbindung des Gesehenen mit dem Gehörten am deutlichsten. Die Auswahl des Bergdramas "Die weiße Hölle von Piz Palü" mit Leni Riefenstahl ist dabei eher zufällig: Hans-Christop Hartmann an den Saxophonen und Christian Meyer am Piano haben gerade eine neue Musik für diesen Film arrangiert, deren Premiere am Freitagabend im Kino 46 stattfinden wird.

Ein Beispiel dafür, dass die Bilder der Musik rigoros untergeordnet werden, ist die selten gezeigte Fernsehproduktion "Ludwig van", in der Mauricio Kagel seine Dekonstruktion des Komponisten aufführt, die 1969 bei den Wiener Festwochen für einen Skandal sorgte. Der Klassiker des japanischen Kunstkinos "Die Frau in den Dünen" von Hiroshi Teshigahara aus dem Jahr 1963 ist im Programm, weil er ein frühes Beispiel für die konsequenten Anwendung eines Sound Designs ist. Das ständige Rieseln des Sandes und Rauschen des Windes wurden vom Filmkomponisten so eingesetzt, dass sie eine hypnotische Wirkung erhielten.

In einem Werkstattgespräch stellt der Komponist Dirk Schaefer Arbeiten vor, die er zusammen mit Experimentalfilmern geschaffen hat und zeigt den Kurzfilm "Instructions for a light-sound machine", den er zusammen mit dem Künstier Peter Tscherkassky inszenierte, und der die Westernmusik von Sergio Morricone in ein visuelles Klanggewitter zerlegt.

Eine Montage von Music-Videos bietet schließlich einen kurzweiligen historischen Schnelldurchlauf, der von einem ganz erstaunlich jungen David Bowie als "Major Tom" bis zu den hochartifiziellen Werken der zeitgenössischen britischen Videoavantgarde reicht.

Wilfried Hippen

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Bille Wochenblatt 3.12.2005
Die weiße Hölle

mr. BERGEDORF - Der deutsche Stummfilmklassiker "Die weiße Hölle vom Piz Palü" von 1929 in der Regie von Arnold Fanck mit Gustav Diessl und Leni Riefenstahl in den Hauptrollen wird live vertont von der Gruppe "Eiston" mit Christian Meyer am Klavier und Perkussion und Hans-Christoph Hartmann an den Saxophonen und ebenfalls Perkussion.

Ein junges Paar trifft in einer Berghütte in den Dolomiten auf einen fanatischen Mann, der seine Frau in den Bergen verloren hat und sich dem Paar als Bergführer anbietet. Die Tour führt in die unbezwungene Nordwand des Piz Palü. Ein Wettersturz wird der Gruppe zum Verhängnis. Eine dramatische Rettungsaktion beginnt...

Die beiden Musiker haben zu diesem Drama eine neue Musik arrangiert, die sich zwischen Komposition und Improvistaion bewegt und sich nach dem Projekt: "Nanuk der Eskimo" wieder dem Thema Eis und Schnee widmet.

"Gereizt haben uns die atemberaubenden Aufnahmen und der dramatische Plot", so Hans-Christoph Hartmann. "Wir versuchen über das einfache Begleiten des Films hinaus zu gehen, nicht nur Atmosphären herzustellen und Bewegungen zu illustrieren, sondem die Dinge zu kommentieren, Emotionen darzustellen und inhaltliche Ausrufezeichen zu setzen." Wer sich davon live überzeugen möchte, hat dazu Gelegenheit am Freitag, 9. Dezernber, um 20 Uhr im Kulturforum Serrahn, Serrahnstraße 1.

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